Stell dir vor, du bist der Einladung einer Freundin zu einem lockeren Zusammensein in der Nachbarschaft gefolgt. Du freust dich auf das Beisammensein. Ein bisschen ungeduldig bist du trotzdem mit dir selbst, weil die Flyer und Visitenkarten fürs Food Coaching Business noch nicht fertig sind, wie geplant, und die kleinen Give-aways für den winterlichen Event bisher nur auf der Gedankenliste stehen statt in deiner Tasche. Egal, du gehst trotzdem hin. Man muss ja nicht jedes Wiedersehen für die Werbung nutzen.
Es ist ein schöner Abend, bis jemand plötzlich diese Sätze sagt: „Hey, wenn ihr wollt, kann ich euch ein paar richtig gute Prompts für die KI geben, mit denen ihr sie danach fragen könnt, welche Ernährungsweise sie euch bei Problem XY empfehlen würde. Wenn du geschickt fragst, macht sie dir ganz detaillierte Pläne.“
Und ehrlich: stimmt ja. Das kann sie. Schnell, detailliert, beeindruckend sogar. Ich mag die KI, ich nutze sie selbst gern. Trotzdem ruiniert mir dieser eine Satz gerade den Abend. Die Angst klopft an: Und jetzt? Wenn alle die KI fragen, statt sich mit ihren Fragen, ihrem Wunsch nach Veränderung und Orientierung vertrauensvoll an mich zu wenden? Was, wenn sie besser wird, als ich je sein kann?
Der Abend vergeht, die Themen wechseln flott von einem Thema ins nächste, der Gedanke an die KI bleibt. Aber je länger er bleibt, desto klarer wird mir etwas anderes: Der Plan war nie das Problem. Und selbst der beste Prompt von der Party ist für die Person gedacht, die ihn geteilt hat. Nicht für dich. Die KI kennt weder deine Vorgeschichte, noch, was du schon zehnmal versucht hast, noch, warum es beim letzten Mal nicht geklappt hat. Wenn strikt befolgtes Wissen reichen würde, das, was wirklich gut für uns ist, bräuchte es weder Coaching noch Beratung. Wir wüssten es doch längst. Die meisten von uns wissen es längst.
Also arbeite ich weiter damit, statt dagegen. Recherchiere, teste, probiere aus. Wo vereinfacht die KI meine Arbeit wirklich? Wo ist sie hilfreich, aber eben nicht ersetzend? Und dann, in einer Feedbackrunde mit einem Klienten, wird mir etwas klar, das keine KI mir hätte sagen können: es ist meine Menschlichkeit, die er an mir schätzt. Dass ich mitdenke. Ihn herausfordere. Unbequeme Fragen stelle. Ehrlich begeistert bin und unterstütze, statt ihm nach dem Mund zu reden.
Ich habe das Fachwissen, und ich bin es gewohnt, den Dingen auf den Grund zu gehen. Weit entfernte Einzelpunkte sinnvoll zu verknüpfen. Hypothesen aufzustellen und wieder zu hinterfragen. Verstehen wollen war schon immer mein größter Antrieb, und genau dieses Wissen für den Alltag greifbar zu machen.
Mit diesem einen Klienten habe ich es geschafft, den blöden Satz von der Party zu drehen. Mein Warum deutlicher zu sehen als je zuvor. Die Leidenschaft fürs Food Coaching neu zu entdecken. Denn Menschen wollen lieber gefragt werden, als stumpf Antworten geliefert zu bekommen. Sie wollen mit ihrem Coach auf Augenhöhe gemeinsam ihre individuelle Lösung erarbeiten, statt eine Maschine zu füttern und Antworten per Tastendruck zu bekommen. Genau der gemeinsame, behutsam geführte Denkprozess ist es, der nachhaltige Veränderung ermöglicht und sich als eigener Gewinn anfühlt.
Das nächste Nachbarschafts-Get-together kann gern kommen. Mein Kram ist so weit fertig, Website, Instagram, LinkedIn, Flyer, Visitenkarten, Give-aways. Aber vor allem ist mein Mindset fertig. Meine Erfolgsgeschichte ist mit dabei, und ich freue mich auf genau solche, gern auch kontroverse Gespräche.
Get-together season, here I come.
Food for Thought. Structure for Change.
