Ich spreche mit vielen Menschen über „meine“ Themen. Nahrung, Nahrungsvielfalt, gesunde Ernährung, Ernährung im Allgemeinen und im Speziellen.
Jeder isst und trinkt. Viele Menschen haben Lieblingsessen, Gerichte, die nach Kindheit, Freiheit, Familie, Abenteuer, Zugehörigkeit oder Individualität riechen und schmecken.
Mein Beruf bringt es mit sich, dass mir von Gewohnheiten, Kuren und Guilty Pleasures erzählt wird. Menschen öffnen sich mir gegenüber und erzählen davon, dass sie etwas für sich selbst tun, etwas am Status quo verändern möchten. Davon, dass sie sich Gedanken um ihre Zukunft und ihre Gesundheit machen.
Manche Klienten haben sich bereits auf ihre Reise begeben. Sie haben angefangen, ihre jahrelang ausgetretenen Trampelpfade zu verlassen und sich bewusst auf Veränderungen einzulassen.
Und sie haben viele Feststellungen und mindestens genauso viele Fragen im Gepäck.
Der Hunger hat sich verändert. Der Appetit ist leiser geworden. Vielleicht ist auch das, was wir heute so gern „Food Noise“ nennen, plötzlich viel leiser.
Okay. Und nun?
Was esse ich gern? Was bekommt mir gut? Wie sieht ein Tag aus, an dem ich kaum Appetit habe? Wie esse ich mit meiner Familie? Was mache ich beim Brunch oder auf Reisen? Welche Struktur hilft mir? Was bedeutet Genuss jetzt? Und woran merke ich eigentlich, dass ich genug gegessen habe?
Was passiert mit Essen, wenn Hunger nicht mehr so zuverlässig der Taktgeber ist?
Vielleicht konnte Hunger vorher sagen: Jetzt wäre Essen gut. Appetit konnte sagen: Darauf habe ich Lust. Und Gewohnheit: Um zwölf esse ich Mittag.
Wenn diese Signale plötzlich deutlich leiser werden, bekommt Struktur möglicherweise eine ganz andere Aufgabe.
Wenn eine kleinere Menge reicht, stellt sich vielleicht die Frage, was in dieser kleineren Menge stecken soll. Und wenn Essen bisher nicht nur Hunger gestillt hat, sondern auch Gemeinschaft, Genuss und Alltag bedeutet hat, verschwinden diese Dinge ja nicht einfach mit dem Hunger.
Und wenn Essen plötzlich weniger Raum im Kopf einnimmt, kann auch wieder Raum für anderes entstehen. Für das, was vorher vielleicht leiser war.
Unterwegs entstehen also neue Fragen.
Fragen, bei denen es sich lohnt, genauer hinzuschauen.
Ich schaue gemeinsam mit meinen Klienten darauf, was ihre ganz persönlichen Fragen sind. Wir erarbeiten individuelle Antworten und bauen Strukturen auf, aus denen neue Gewohnheiten entstehen können.
Wir sprechen über Unsicherheiten und Sorgen. Und wir schauen gemeinsam auf den Lärm, der von außen dazukommt. Auf all die Ratschläge, Erfahrungen und Meinungen darüber, was man jetzt noch tun oder unbedingt anders machen sollte.
Wir sortieren. Mit Bedacht und mit Sorgfalt.
Und vielleicht ist genau dort der Platz für Coaching.
Der Hunger ist vielleicht leiser geworden. Aber damit ist noch nicht beantwortet, wie ich essen möchte.
Vielleicht ist genau das eine der Fragen, die jetzt Raum bekommen darf.
Weniger Hunger kann vieles verändern.
Die Frage, wie Essen in mein Leben passen soll, bleibt trotzdem meine eigene.
Food for Thought. Structure for Change.
